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Herkunft, stoffliche Verwertung von Gummiabfällen als Grundwissen:
Herkunft von Gummiabfällen
Gummiabfälle fallen vor allen Dingen in folgenden Bereichen an:
-Aus dem Altreifenaufkommen Es fallen hauptsächlich PKW und LKW-Reifen, daneben AS=Ackerschlepperreifen und EM=Earth Moving Reifen sowie Vollgummireifen an. Lkw-Reifen eignen sich eher für die Produktion von Granulat, da PKW- und AS-Reifen einen relativ hohen Anteil an Textil enthalten, der bei der Verklebung mit Polyurethankleber störend ist. Ein Großteil der Reifen wird jedoch in Zementwerken verwertet - oft lohnt sich ein Gummirecycling aus logistischen Gründen nicht, da Reifen mit ihrem geringen Packungsgewicht über weite Entfernungen hohe Transportkosten verursachen.
-Bei der Produktion und Konfektion von Gummiartikeln Kautschuk als unvulkanisierte
"Knetmasse", wird produktspezifisch mit Zuschlagstoffen wie z.B. Ruß eingefärbt
und in Pressen zu Formartikeln gepresst oder ähnlich wie bei der
Kunststoffverarbeitung gespritzt. Fehlmischungen, Spritzangüsse,
seitlich ausgequollenes oder überlagertes Eingangs-Material fällt als
teil- oder unvulkanisierter Gummiabfall an. Genauso wie saubere Stanz- und Randabschnitte aus der Produktion eigenen sich gut für das Gummirecycling.
-Bei der Runderneuerung von abgefahrenen LKW-Reifen Bei abgenutzen LKW-Reifen, sogenannten "Karkassen", werden im besten Fall einfach die Profile mit einem Heißdraht-Schneidegerät nachgeschnitten und der Reifen weiterverwendet. Ist das Profil dafür zu weit abgenutzt, wird die Restlauffläche mit feinen, schnell rotierenden Messerklingen "abgerauht". Es entsteht sogenanntes "Rauhmehl". Dieses Gummimehl setzt sich zusammen aus feinem Gummistaub und 1 mm-ca. 35 mm langen Gummifasern, die aussehen wie Tannennadeln, sowie einem kleinen Prozentsatz an mineralischen Verunreinigungen aus Sand sowie Textil und Metalldrähten
Verwertung Gummiabfälle je nach farblicher und stofflicher Zusammensetzung
Die Möglichkeit der Gummiverwertung hängt ab von
(1) der Farbe (schwarz oder bunt) Bunte Gummiabfälle sind schwer stofflich verwertbar, weil daraus gefertigte Produkte ohne Einfärbung keine standardisierte Farbgebung erreichen
(2) Fremdstoffanhaftungen (Plastik, Metall, Textil) Außer bei Reifen bedeutet eine kombinierte Verunreinigung durch diese Materialien für eine werkstoffliche Verwertung oft das Aus. Textilfasern saugen bei der Verklebung zu viel Klebstoff auf und sind deshalb nicht in dieser werkstofflichen Verwertung gewünscht
(3) dem Verarbeitungszustand "vulkanisiert", "unvulkanisiert", teilvulkanisiert=gecrackt". Teilvulkanisierte Abfälle sind oft schwer zu zerkleinern, weil sie an den Messern schmieren und die Verarbeitungsanlagen verkleben. Sie werden eher der Verbrennung zugeführt. Unvulkanisierte Abfälle werden weiterverwendet s.u. und für die Produktion von dickwandigeren Produkten eingesetzt.
(4) der Stückgröße Stäube werden oft zu Mülltonnen-Vollgummirädchen verarbeitet. Größere Gummiabfälle werden geschreddert, gemahlen und mit Kleber zu Produkten gepresst oder im Sportplatzbau als Unterschicht eingesetzt.
Arten der werkstofflichen Gummiverwertung in der Praxis
Unvulkanisierte Gummiabfälle
Diese Abfälle werden z.B. in Polen, China und Vietnam zur Produktion von dickwandigen, technisch wenig anspruchsvollen Artikeln verpresst wie z.B. Fußmatten, Pferde- oder Arbeitsmatten und Schiffspoller. Trotz kleinerer vulkanisierter Fehlstellen und Knoten erfüllt das Produkt seinen Zweck.
Vulkanisierte Gummiabfälle Altreifen und Produktions-Abschnitte der Fertigprodukte sind vulkanisierte Gummiabfälle. Auch die ursprünglich unvulkanisierte "Knetmasse" kann durch Überlagerung nach Monaten oder bei Verwendung von Reaktionsbeschleunigern in Reaktion mit dem Sauerstoff in der Luft und UV-Strahlung sogar innerhalb von Tagen "aushärten", sodaß eine bleibende Verformbarkeit nicht mehr möglich ist und der Gummi ein festes, elastisches Material gebildet hat. Wenn anvulkanisierte Masse hart genug geworden ist und Zerkleinerungsmaschinen nicht mehr verschmiert, ist Gummirecycling wieder möglich.
Vulkanisierte Abfälle werden z.B. in Deutschland, Frankreich und Polen gemahlen und zu
Formprodukten mit Polyurethan-Kleber unter Hitze und Druck verklebt und gepresst. Hierzu gehört typischerweise die Fallschutzplatte auf dem Spielplatz.
Immer größere Mengen Gummigranulat werden nach der Verklebung zu c.a 2 m breiten und 1 m dicken Zylindern mit Messern zu Endlosprodukten wie Bahnenware verarbeitet. Diese Produkte werden im Bau auf Dächern oder im Dämmbereich eingesetzt.
Ein modernes Einsatzgebiet des Granulates ist der Estrichbereich. Hier wird das Granulat mit z.B. Blähton gemischt und als Fertigestrich inklusive wärme- und Schalldämmung eingesetzt. Mit 1/3 Gewicht je qm im Vergleich zu Zementestrich und einer um mehrere Wochen schnelleren Abbindezeit können so auch auf unebenem Boden und bei schwacher Statik gute Dämmeigenschaften schnell erreicht werden. Hier sehen Sie ein Beispiel www.thermodyn.de/pageID_3830562.html
Große Mengen gröberen Gummigranulates gelangen in den Unterbau bei modernen Sportplätzen. Es handelt sich dabei um bis zu 100 Tonnen je Platz. Feineres Granulat wird zwischen die Kunstrasenfasern gestreut (meist in Deutschland aus EPDM -Neuware). In Reitplätzen eher in England als in Deutschland wird grobes Granulat für eine verbesserte Trittfestigkeit und gegen festen und nassen Boden eingesetzt.
Rauhmehl wird gesiebt und mit Magneten von Metall gesäubert und ähnlich Granulat verwendet, bevorzugt jedoch im Bereich der Produktion von Bahnenware wegen besserer Zugfestigkeitswerte der verklebten Fasern im Vergleich zu kubischem Granulat.
Grobe Raumehlfasern oder Gummimulch aus der Verwertung von Vollgummireifen sieht aus wie Rindenmulch und hält ewig. Es wird braunrot oder grün eingefärbt und in den USA, England und langsam auch in Holland in den Garten unter Spielgeräten oder unter Pflanzungen gestreut. Das Material erfüllt dann ästhetische Zwecke, schützt vor Verletzungen oder verhindert jahrelang das Nachwachsen von Unkraut.
Gummientsorgung
Werkstofflich nicht verwertbare Gummiabfälle gelangen z.B. über den Gewerbe- und Hausmüll auf Deponien oder werden verbrannt in Heizkraftwerken oder - wie hauptsächlich Altreifen- in Zementwerken verfeuert. Die Reifen ersetzen dabei einerseits Öl als Brennstoff und andererseits Zuschlagstoffe wie Schwefel und Eisen im Zement. Eine Möglichkeit der Verbrennung richtet sich auch nach dem Gehalt an Chlor, Fluor u.ä. der Abfallstoffe. Je höher dieser Anteil ist, desto höher sind die Kosten der Verbrennung für die Herausfilterung.
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